Radtour neue Bundesländer
Köthen-Lutherstadt Wittenberg
Wittenberger Schloss, unter dem Dach die Jugendherberge
2005-05-12, Donnerstag
Köthen-Lutherstadt Wittenberg
Auf dieser Sandstraße ging es nur mit Schieben
Heute stand die letzte Etappe mit den Rädern auf unserem Programm. Wir rechneten mit ca. 120 km Fahrtstrecke, aber die Länge bereitete uns weniger Unbehagen als die fehlende Radwegverbindung nach Wittenberg. Und nach den bisherigen Erfahrungen wussten wir, dass wieder einiger Zeitaufwand für die Streckensuche erforderlich sein würde.
Wir wollten deshalb nicht allzu spät abfahren, es wurde dann aber doch 09.00 Uhr als wir starteten. Zum Einen ließen wir uns Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, zum Andern war die Garage mit den eingestellten Fahrrädern so lange verschlossen und das ungemütlich kalte Wetter ( +5 Grad um 09.00 Uhr) trieb uns auch nicht zur Eile.
Es dauerte aber nicht lange und wir kamen trotz der morgendlichen Kühle ordentlich ins Schwitzen. Eine Ortsverbindungsstraße erwies sich als ein von Fahrzeugen so zerwühlter Sandweg, dass an Rad fahren nicht zu denken war und wir nur schiebend die Sandstrecke bewältigen konnten. Dann waren zwar wieder einige Kilometer fahrend möglich, häufiger allerdings auch nur im Schritttempo über Pflasterstrecken und Schotterbelag. Kurz darauf wählten wir an einer Weggabelung auch noch die falsche Richtung und wir mussten nach einer Alternativstrecke suchen. Nach einer weiteren Schiebestrecke, über einen aus Schlaglöchern bestehenden Plattenweg, beschlossen wir anstelle der Nebenwege doch die Autostraßen zu nutzen.
Tatsächlich kamen wir auf den Autostraßen ganz gut voran und meist auch bei nur geringem Fahrzeugverkehr. Teilweise fanden wir an den Autostraßen auch gut ausgebaute Radwege vor und ab Luckenwalde trafen wir auf die "FLAEMING SKATE", eine Skatingstrecke, die sich in der Region Fläming über mehr als 100 km hinzieht. Auf dieser Luxusstrecke brachten wir einige Kilometer in Richtung Jüterbog so komfortabel hinter uns, wie nur auf wenigen Streckenabschnitten der vergangenen Tage.
Weit und flach, trotzdem abwechslungsreiche Landschaft
Gegen 16.00 Uhr waren wir kurz vor Jüterbog, bis Wittenberg lagen noch gut 40 km vor uns. Die Streckensuche und die nur im Schritttempo bewältigten Wegstücke hatten uns wieder viel Zeit gekostet. Wir mussten uns entscheiden, ob wir die Reststrecke mit dem Fahrrad oder dem Zug - dann evtl. auch nur eine Teilstrecke - zurücklegen sollten.
Für diese Entscheidung bogen wir erst einmal nach Jüterbog ab und suchten dort den, ziemlich abseits gelegenen, Bahnhof auf. Nach ausgiebigem Fahrplanstudium und der Überlegung doch noch einige Kilometer Richtung Wittenberg zu fahren, entschieden wir uns schließlich die nächst mögliche Zugverbindung ab Jüterbog um 18.13 Uhr zu nutzen. Das bedeutete zwar 1 1/2 Stunden Wartezeit, aber die Ungewissheit über die Beschaffenheit der Strecke und die Befürchtung auf einer stark von Autos frequentierten Straße oder wieder auf nicht befahrbaren Nebenwegen zu landen und immer wieder neu den Weiterweg suchen zu müssen, hielten uns von der Weiterfahrt mit den Rädern ab. So konnten wir, faul auf einer Bank am Bahnhofsplatz sitzend, auch endlich die wärmenden Sonnenstrahlen genießen, von denen wir wegen des kalten Windes bisher nichts mitbekommen hatten.
Nur im Schneckentempo fahrbare Holperstrecke
Pünktlich fuhren wir mit unserem Zug ab und trafen eine knappe halbe Stunde später in Wittenberg ein. Der Weg quer durch die Innenstadt zur Jugendherberge war schnell gefunden. Ihr Domizil befindet sich am Rande der Altstadt im obersten Stockwerk des alten Schlosses. So romantisch die Lage der Jugendherberge ist, die Unterbringung in einem 12-Betten-Schlafsaal, teilweise Hochbetten, war es weniger. Zum Glück war bei unserer Ankunft nur ein Bett belegt, aber es wurde uns schon angekündigt, dass noch eine größere Anzahl von Übernachtungsgästen eintreffen würde. Immerhin hatten wir noch die Auswahl unter den freien Betten und richteten uns in einer Ecke ein.
Duschen und Umziehen waren bald erledigt und wir machten uns zu einem kleinen Rundgang auf, der aber vor allem der Suche nach einem Lokal zum Abendessen galt, denn für die Stadtbesichtigung hatten wir den ganzen nächsten Tag zur Verfügung. Und mit dem Wissen, dass am nächsten Tag keine Radtour anstand, dehnten wir die Zeit bis zur Rückkehr in die Jugendherberge soweit aus, dass wir dort den Hausschlüssel benutzen mussten.